Gefunden bei dazwischengehen.org
PS: Ich zeige das Schreiben, weil ich teilweise wirklich gut lachen konnte. Schicke Ironie und Sarkasmus, aber ein wichtiger Baustein zur Sensibilisierung auf die Dinge, die uns gerade beschäftigen.
Brief an das Bundesministerium der Finanzen, z. Hd. Herrn Minister Peer Steinbrück
An das
Bundesministerium der Finanzen
Z. Hd. Herrn Minister Peer Steinbrück
Wilhelmstraße 97
10117 BerlinSehr geehrter Herr Steinbrück,
mit großer Erleichterung habe ich vernommen, dass das von Ihnen geführte Finanzministerium nicht mehr von der destruktiven Sparlogik der letzten Jahre getrieben ist. Ihr Rettungspaket für die deutsche Kreditwirtschaft zeugt davon, dass Sie umgedacht haben, dass der Glaube an den Mythos eines ausgeglichenen Haushalts endlich der Vergangenheit angehört. Mit etwas Glück gelingt es Ihnen so tatsächlich, das Vertrauen der Menschen in die Banken wieder herzustellen und die Kosten der Krise für uns Arbeitnehmer und Steuerzahler bei den bisher veranschlagten 500 Milliarden Euro einzufrieren.
Ganz besonders schätze ich ihre Milliardenhilfe, da sie ein Bekenntnis zu der lange ignorierten Tatsache darstellt, dass private Wirtschaftstätigkeit – das gilt für Aktien- wie für Arbeitskraftbesitzer – stets risikobehaftet ist. Ein Risiko, dass der Einzelne allzu selten vollständig abschätzen kann. Ähnlich wie etwa die Hypo Real Estate, der Sie kürzlich großzügig aushalfen, bin auch ich in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Verschiedene Negativfaktoren haben sich zu einer ungünstigen Gesamtsituation addiert: Zu den grundsätzlich unberechenbaren kapitalistischen Marktdynamiken sind steigende Lebenshaltungskosten und eine Umverteilungs- und Privatisierungspolitik gekommen, die niedrige Einkommen einseitig belasteten. Ganz wie die Hypo Real Estate, bin aber auch ich alles in allem (ich zitiere) „grundsolide“ und benötige „nur kurzfristig Liquidität“. Ich möchte Sie daher bitten, auch meinen finanziellen Engpass auszugleichen und die fehlende Summe in Höhe von __________ Euro zu überweisen.
Auch ich habe mir das Motto des „Fördern und Fordern“ auf die Fahnen geschrieben. Als Arbeitnehmer/in und Steuerzahler/in habe ich, wie Sie wissen, nicht nur die Werte geschaffen, die jüngst an den Finanzmärkten vernichtet wurden. Ich bin auch für einen Großteil der Mittel aufgekommen, mit denen Sie gegenwärtig die Zahlungsfähigkeit des Bankensektors wiederherzustellen hoffen. Doch ich darf Sie erinnern: Verantwortung ist keine Einbahnstraße! Es ist Zeit zu handeln: Zeigen Sie erneut Verantwortung und stellen Sie das Vertrauen auch in meine Zahlungsfähigkeit wieder her!
Für die Bereitstellung der genannten Summe innerhalb der nächsten 14 Tage danke ich Ihnen im Voraus. Bitte setzen Sie sich wegen der Abwicklung der Zahlung umgehend mit mir in Verbindung.
Bei Ihrer unkonventionellen Verstaatlichungspolitik wünsche ich Ihnen weiterhin viel Erfolg. Ich freue mich auf eine kleine Finanzspritze und verbleibe mit freundlichen Grüßen,
(Ort, Datum, Unterschrift)
PS: Von Einladungen zu etwaigen Finanzkonferenzen bitte ich abzusehen.
Anhang
das ding gefällt mir! hab ich mir, frecher weise, mal kopiert damit auch meine 3 leser in den genuss kommen.
Kommentar von kuschelpunker — Oktober 23, 2008 @ 2:23 |
[...] Brief an Peer Steinbrück Gefunden beim nachrichtenmuell [...]
Pingback von Brief an Peer Steinbrück « Habt ihr nichts anderes zu tun? — Oktober 24, 2008 @ 12:26 |
Das ist klasse geworden! Ich erlaube mir, auch eine Kopie an unseren Konkursver …, öhm … Finanzminister zu schicken!
Kommentar von romanmoeller — Oktober 26, 2008 @ 12:14 |
[...] auf die Fahnen geschrieben, aber das als Motto zu nehmen, ist natürlich auch genial! Die Idee, einen Brief an Peer Steinbrück zu schicken und um eine milde Spende zu bitten, da das Geld privat zur Zeit knapp ist, ist von ähnlicher [...]
Pingback von Über den Blog-Rand geschaut #9 « Roman Möller ONLINE Blog — Oktober 27, 2008 @ 11:28 |
Zur Info:
Es gibt auch eine eigene Website für den Brief, http://www.milliardenhilfe.de.
Kommentar von Peanuts — Oktober 28, 2008 @ 8:21 |